BASICS, BASICS, BASICS…

Über Druck, Manschetten und Quecksilber… die Blutdruckmessung!

Während der Systole des Herzens steigt der Druck im arteriellen Gefäßsystem. Es dehnen sich die elastischen Arterien aus und treiben die Blutsäule weiter in die Peripherie während sie sich in der Diastole wieder zusammenziehen. Daraus ergibt sich die Systole und Diastole.

Der Blutdruck ist im Wesentlichen vom Herzzeitvolumen und dem peripheren Widerstand der Gefäße abhängig. Zusammen mit der Herzfrequenz und der Rekapillarisierung ist der Blutdruck ein klassischer Parameter zur Beurteilung des Kreislaufs.

Die Maßeinheit der Blutdruckmessung wird in mmHG angegeben. In früheren Zeiten hatten Blutdruckmessgeräte noch eine mit Quecksilber gefüllte Säule.

Die Blutdruckmessung geht zurück ins Jahr 1896. Dort erfand der italienische Arzt Scipione Riva- Rocci die Blutdruckmessung. Die Abkürzung RR erinnert noch heute daran.

Im Rettungsdienst verwenden wir meist die nicht-invasive Blutdruckmessung. Diese erfolgt nicht kontinuierlich sondern besteht immer aus Einzelmessungen.

Eine manuelle Blutdruckmessung erfolgt von Hand, man unterscheidet hierbei zwischen palpatorisch und auskultatorisch. Man komprimiert mit einer Manschette die Brachialisarterie und tastet dabei den Puls (palpatorische Messung). Horcht man hierbei mit dem Stethoskop in der Ellenbeuge, so erkennt man die Korotkow- Töne (auskultatorische Messung).

Moderne Monitoring/EKG- Geräte bieten eine automatische Messung, die oszillometrische Blutdruckmessung. Dabei wird die sogenannte Oszillation gemessen. Diese beschreibt die Schwankungen der Pulsdruckkurve die sich auf den Manschettendruck überträgt. Dieses Oszillieren hat seinen Höhepunkt beim mittleren arteriellen Druck der automatisch mitbestimmt wird. In der Regel dauert eine Messung zwischen 30 und 40 Sekunden. Längere Messzeiten sind verdächtig und deuten auf eine fehlerhafte Messung hin. Schon minimale Erschütterungen und Armbewegungen können die Messung negativ beeinflussen. Auch Hypotonie oder Schock sowie Herzrhythmusstörungen können fehlerhafte oder gar keine Werte liefern.

Auf eine invasive Blutdruckmessung treffen wir meist in der Intensivmedizin und damit im Bereich der Intensivtransporte. Dafür bedarf es speziellem Equipment und einen liegenden arteriellen Katheter. Diese Methode bietet eine kontinuierliche Messung und liefert die genauesten Werte. Auch der mittlere arterielle Wert (MAD) wird erhoben. Es bedarf hierbei aber auch eine genaue Kalibrierung des Monitors in der richtigen Position des Druckwandlers, der auf der Höhe des rechten Vorhofs liegen sollte. Weicht dessen Höhe schon um nur 10 cm ab, kann sich der Messwert um bis zu 7,6 mmHG verfälschen. Es empfiehlt daher, die Kalibrierung in der Endgültigen Position/ Lagerung des Patienten durchzuführen und diese nicht mehr zu verändern oder ggb. neu zu kalibrieren. Gerade im Bereich der Medikamentösen Blutdrucksteuerung (z.B. erfolgreiche Reanimation) eignet sich die arterielle Blutdruckmessung am Besten.

Wie messen wir im Rettungsdienst den Blutdruck?

  • Bekleidung entfernen. Jacken, Pullover müssen entfernt werden.
  • Manschette stramm anlegen (aber nicht zu stramm).
  • Unterrand der Manschette mindestens 2 cm über dem Ellenbogen damit Knochenkontakt vermieden wird ( könnte das Komprimieren der Arterie behindern).
  • Ballon der Manschette meist durch eine Markierung gekennzeichnet, diese innen auf die Arterie platzieren.
  • Blutdruckmanschette muss die richtige Dimension besitzen. Die Breite soll ca 2/3 des Oberarms bedecken.
  • Bei adipösen oder sehr muskulösen Armen muss eine größere, evtl. Oberschenkelmanschette verwendet werden.
  • Bei kachektischen Patienten oder Patienten mit Muskelatrophie muss vielleicht die Kindermanschette verwendet werden.
  • Der Oberarm sollte auf Herzhöhe liegen.
Patrick Krieger

Ablauf:

  • Manschette unter tasten des Pulses zügig aufpumpen.
  • Aufblasen bis Verschwinden des Pulses plus 10-20 mmHg mehr.
  • Druck langsam ablassen. Nicht schneller als 10 mmHg innerhalb 2-3 Sekunden. Ist man zu schnell könnte man den systolischen Wert verpassen.
  • Diesen wird erreicht sobald der Blutdruck es wieder schafft Blut durch die Engstelle zu pumpen. Das bemerkt man zum einen durch den wieder tastbaren Puls (palpatorisch) oder durch das auskultieren der Korotkow- Geräusche der Arterie in der Ellenbeuge. Achtung: die Arterie liegt nicht mittig sondern weiter innen. Also auch dort das Stethoskop positionieren.
  • Das Stethoskop nicht zu fest aufdrücken (Arterie könnte zu stark eingeengt werden).
  • Die Diastole ist erreicht wenn die Geräusche, also das Pochen, verschwinden.

Normwerte :

systolischer Wert (mmHg)diastolischer Wert (mmHg)
optimal < 120 < 80
normal < 130 < 85
hochnormal 130-139 85-89
Hypertonie Grad 1 140-159 90-99
Hypertonie Grad 2 160-179 100-109
Hypertonie Grad 3 ≥ 180 ≥ 110

Fehlerquellen:

  • Defekte Manschette. Luft wird nicht gehalten und Manschette pumpt sich nicht auf.
  • Kleidung wurde nicht entfernt und ist zu dick.
  • Falsche Manschettengröße.
  • Patient verkrampft oder bewegt sich zu viel. Erschütterungen während des Transports.
  • Patient ist zentralisiert, hypoton, schockig.

Ergänzend:

  • Klagt ein Patient über thorakale Schmerzen, neurologische Auffälligkeiten oder auffälligen Blutdruckwerten muss zwingend mind. einmal beidseits der Blutdruck gemessen werden. Dabei gilt der Höhere gemessene Wert. Seitendifferenzen gibt es z.B. bei Aortenisthmusstenose (selten) oder auch bei der Aortendissektion (schon häufiger). Differenzen ab 10-20 mmHg sind relevant.
  • Ein ab- oder aufrunden der Werte macht keinen großen Unterschied wobei man auf eine genaue Messung achten muss. Gerade bei Patienten mit einem schweren SHT formulieren sich viele Lehraussagen mit einem Zieldruck von 110- 120 mmHG systolisch. Unterschreitungen des Drucks unter 90 mmHG geht mit einer schlechteren Prognose einher. Ist der Druck also zu niedrig droht eine Minderdurchblutung, ist der Druck zu hoch kann es Einbluten.

Nice to Know: zwei Drittel der Handgelenksmessgeräte in privaten Haushalten liefern falsche Blutdruckwerte. Also darf man bei diesen Werten immer skeptisch sein.

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Literatur:

https://www.thieme.de/shop/Anamnese/Fueessl-Middeke-Duale-Reihe-Anamnese-und-Klinische-9783132415720/p/000000000149560106

https://www.springermedizin.de/arterielle-hypertonie/hypertonie-in-der-hausarztpraxis/die-groessten-fehler-beim-blutdruckmessen/15771014

https://flexikon.doccheck.com/de/Blutdruck

Veröffentlicht von Patrick

Patrick ist in den Mittdreißigern und lebt in Bochum. Verheiratet, (noch) keine Kinder aber eine süße Hundedame. Jede Menge Liebe und Leidenschaft für CRM/TRM, Rettungsdienst und Notfallmedizin und natürlich hochmotiviert in Sachen Ausbildung.

2 Kommentare zu „BASICS, BASICS, BASICS…

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