Zieh mal auf! Medikamente in Spritzen…

„Hey, zieh mal ein bisschen was für eine Narkose auf!“

Abgesehen davon, dass sich jetzt eventuell gleich drei Einsatzkräfte oder gar keiner Angesprochen fühlt, versteckt sich hinter dieser Aufforderung nur wenig Inhalt. Weder welche Medikamente, noch in welcher Dosierung und wer genau sie aufziehen soll wurde mitgeteilt.

Medikamente die im Körper eines Patienten gelangen sind erstmal in ihm. In ihrer Dosis und Wirkung variabel können sie dann auch großen Schaden anrichten, wenn nicht gar zum Tode führen. 💀 

Oft beobacht man, dass Kollegen die Medikamente aufziehen im absoluten Stress sind. Je kränker der Patient desto schneller will jeder die Spritzen haben. 💉 
Hier muss aber ein Cut gemacht werden. Dieser Schritt in der Versorgung des Patienten ist einer der Wichtigsten. 

  • Antizipiere und plane voraus. Sage deinem Team was du vor hast. Gib genaue Anweisungen und spreche die Zielperson direkt an. „Zieht mal einer ein wenig Dormicum auf“ ist keine zielführende Anweisung. “ Daniel, zieh mir bitte 15 mg Dormicum auf 15 ml auf damit wir 1 mg auf 1 ml haben!“ wäre eine deutlich bessere Formulierung. Die Zielperson weiß somit, dass sie angesprochen wurde, welches Medikament in welcher Dosis und welcher Verdünnung gewünscht wird.
  • Verteile die Arbeitsbelastung. Wenn man weiß, welcher Stärken und Schwächen ein Kollege hat wäre es ja durchaus Vorteilhaft, dass derjenige mit der Affinität zu Medikamente diese dann auch aufzieht, während ein Kollege dem das Atemwegsmanagement besser liegt sich um dieses kümmert. Das sorgt für deutlich weniger Stress im Team und für den Einzelnen und spart mentale Ressourcen. Das Anziehen von Medikamente dauert eine gewisse Zeit. Sollten sich doch Probleme ergeben oder sich der Faktor Zeit zu lange herauszögern muss dem Kollegen geholfen werden.
  • Zieht Medikamente mit höchster Sorgfalt auf. Prüft das Ablaufdatum, ist die Ampulle intakt, keine Verfärbungen, keine Ausflockungen.
  • Benutzt den Crosscheck, also das Gegenprüfen der Ampullen. Halte sie deinem Kollegen vor und lass ihn vorlesen was darauf steht. „Was liest du?“ – “ Ich lese Urapidil, 25 mg“.
  • Wirf die leeren Ampullen nicht sofort weg. Lege sie beiseite (so das sich niemand daran verletzt). Falls ein Patient doch stark, paradox oder allergisch auf eine Injektion reagiert, kann man so nochmal deutlich sehen welche Ampullen aufgezogen wurden. Eine weitere Möglichkeit wäre die, dass man Spritze und Ampulle zusammen lässt bzw. gemeinsam separat von anderen Spritzen ablegt.
  • Beschriftet die Spritzen gut leserlich mit Wirkstoff und Dosierung.
  • Nutzt vorgefertigte Aufkleber ( wenn vorhanden). Aber Achtung: verändert sich die Dosierung oder Verdünnung muss dies angepasst werden. Einige Ampullen haben ein abziehbares, wiederverwendbares Etikett welches auf die Spritze geklebt werden kann.
  • Leider gibt es viele Medikamente und Ampullen die sich optisch sehr ähneln. Die Lagerung an der Rettungwache, RTW und im Ampullarium sollte so gestaltet werden, dass sich diese getrennt von einander befinden. Also nicht direkt nebeneinander.
  • Das verwenden von farblich unterschiedlichen Kombi-Stopfen kann optisches Plus sein.
  • Aufgezogene Medikamente am besten in einer Nierenschale oder ähnlichem lagern. Während man beim Aufziehen schon auf Hygiene achtet sollte man dies auch mit den fertigen Spritzen weiterführen. Gerade bei einer Narkose kommen viele Spritzen/ Medikamente zusammen und sollten daher zentral vorliegen.
  • Stichwort Narkose. Erst wenn wirklich alle notwendigen Medikamente aufgezogen und beschriftet sind wird einen Narkose eingeleitet.
  • Bei Verdünnungen von Verdünnungen (z.B. Supra 1:100 aus einer 1:10 Lösung) sollte man die höherpotente Ausgangsdosierung aus dem Arbeitsbereich entfernen nachdem man die Spritze beschriftet hat.

Das alles sind Punkte, die der maximalen Sicherheit des Patienten dienen!

Da wir in der Akut/-Notfallmedizin immer lieber einen Schritt voraus sind statt einer Lage oder Situation hinterher zu rennen ist es mehr als Notwendig sich bewusst zu sein, dass eine saubere Vorarbeit uns allen viel Stress erspart und letztendlich Fehlerquellen minimiert.

Veröffentlicht von Patrick

Patrick ist in den Mittdreißigern und lebt in Bochum. Verheiratet, (noch) keine Kinder aber eine süße Hundedame. Jede Menge Liebe und Leidenschaft für CRM/TRM, Rettungsdienst und Notfallmedizin und natürlich hochmotiviert in Sachen Ausbildung.

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