Es pikst mal kurz

Die intramuskuläre Injektion im Rettungsdienst

Während der iv.- Zugang regelmäßig Verwendung findet, ist die Verabreichung von Medikamente in muskuläres Gewebe nach wie vor eher selten. Dabei ist die i.m. Injektion einfach, schnell, sicher und birgt, in gewissen Settings, auch Vorteile als alternativer Zugangsweg. Leider zögern einige ÄLRD diese Maßnahme ihren Notfallsanitäter freizugeben. Eine eigenverantwortliche Umsetzung ist jedoch nicht verboten und wird auch in einigen Algorithmen und Arbeitsanweisungen erwähnt. Also beschäftigen wir uns heute ein wenig mit der intramuskulären Injektion.

Am Anfang einer jeder Maßnahme steht die korrekte Indikation für diese. So auch bei der intramuskulären Injektion. Während Notfallsanitäter*innen bei einer i.m.-Injektion meist an Epinephrin bei einer Anaphylaxie denken, so können eine Vielzahl von Medikamenten in der Notfallmedizin i.m. verabreicht werden. Der alternative Zugangsweg über das MAD-System (Mucosal Atomization Device) um Medikamente nasal zu verabreichen wird deutlich beliebter und auch die Bereitschaft, es über das Midazolam hinaus anzuwenden erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Denkt man da auch z.B. an Fentanyl, Ketanest aber auch Morphin oder Naloxon. Der Umgang damit erfordert natürlich die Bereitschaft sich damit zu beschäftigen, sich über die übliche i.v.- Dosierung hinaus zu bilden und auch die Anwendung selbst zu trainieren. Und so gilt es, sich auch mit der intramuskulären Injektion vertraut zu machen.

Schaut man sich z.B. die Leitlinien bzw. die Behandlung einer akuten Anaphylaxie an, ist die intramuskuläre Injektion klar empfohlen. Also kommen wir nicht drumrum uns mit dieser Zugangsmöglichkeit zu beschäftigen.

Schritt für Schritt – das Material

Wie bei allen Maßnahmen ist es zwingend erforderlich, dass alle Materialien vorbereitet werden. Das dient der maximalen Patientensicherheit. Es schafft uns ein entspanntes Mindsetting und verhindert Stress.

  • Desinfektionsmittel
  • Tupfer oder Kompressen
  • ggf. Pflaster
  • Aufziehkanüle
  • Injektionskanüle
  • Einmalpritze
  • Abwurf

Schritt für Schritt – die Punktionsstelle

Vastus-lateralis-Injektion

Eine äußerst sichere Stelle zur Punktion ist der Musculus vastus lateralis. Ein großer Muskel der leicht zu lokalisieren ist. Durch seine Größe und seiner Lage mit Abstand zu größeren Gefäßen eignet er sich hervorragend zum komplikationsarmen punktieren. Dort können Mengen von bis zu 5 ml problemlos injiziert werden.

In der Praxis findet sich die richtige Punktionsstelle folgendermaßen:

Der Patient oder die Patientin befindet sich in Rückenlage. Mit dem kleinen Finger der linken Hand palpieren wir den Trochanter major und spreizen die Hand. Mit dem kleinen Finger der rechten Hand palpieren wir die Patella und spreizen ebenfalls die Hand. Das Einstichfeld liegt in der Mitte, leicht oberhalb zwischen beider Daumen, die sogenannten Trochanter-Patella-Linie (mittleres Drittel lateraler Oberschenkel).

Schritt für Schritt – die richtige Nadel

Für eine intramuskuläre Injektion benötigt man, abhängig vom Körperbau, eine Kanüle im Bereich von 23-20 Gauge mit einer Länge von 25-40 mm. Sollte man eine spitze Aufziehkanüle verwenden muss darauf geachtet werden, dass die Kanüle nur etwa bis zur Hälfte eingeführt wird. Die Auswahl der richtigen ist wichtig, da an dieser Stelle das unter der Haut liegende Fettgewebe bis zu 3 cm betragen kann. Bei adipösen Patienten und Patientinnen muss darauf geachtet werden, dass die Nadel entsprechend der körperlichen Statur gewählt wird. Ach bei Kindern und Kleinkindern darauf achten, dass sich der Abstand von Haut und Muskel entsprechend verringert und eine maximale Länge der Kanüle von 25 mm ausreicht.

Schritt für Schritt – die richtige Technik

Die ausgewählte Einstichstelle wird desinfiziert und die ausreichende Einwirkzeit abgewartet. Die Nadel wird im 90° Winkel senkrecht zur Haut eingeführt und das Medikament injiziert. Die Nadel wird gezogen. Dabei empfiehlt es sich, den Stempel der Spritze beim herausziehen gedrückt zu halten, damit sich nicht kleine Mengen zurück in die Kanüle ziehen können. Eine Aspiration zur Lagekontrolle wird seit 2015 nicht mehr empfohlen, da es keine Evidenz bezüglich Injektionskomplikationen gibt. Sollte man auf einen harten Widerstand treffen ist es wahrscheinlich, dass man auf Knochen gestoßen ist, dann einfach die Nadel ein kleines Stück herausziehen und Wirkstoff injizieren.

Und hier nochmal alles zusammen kursgefasst und ebenfalls zum Download:

Die i.m.- Injektion ist zwar eine komplikationsarme Maßnahme, dennoch müssen auch hier mögliche Risiken genannt werden (auch wenn sie äußerst gering sind).

  • Hämatome
  • Muskelverletzungen
  • Gefäßverletzungen
  • Nervenverletzungen

Bleiben wir bei der Therapie der akuten Anaphylaxie (ab Stadium II) muss man diese Risiken in Relation setzen. Epinephrin ist das Mittel der Wahl und das Medikament welches das Leben des/der Patient*in rettet.

Beachtet werden müssen auch etwaige Kontraindikationen zur Punktionsstelle. Nicht punktiert wird wenn folgende Punkte vorliegen:

  • Sichtbare Infektionen an der möglichen Punktionsstelle
  • Verletzte oder (vor)geschädigte Extremitäten
  • paretische Extremitäten
  • eingeschränkte Durchblutung

Als Alternative zum Oberschenkel kann der Deltamuskel des Oberarms in betracht gezogen werden.

Wenn man sich mit der i.m.- Injektion beschäftigt wird man schnell merken, dass diese kein Hexenwerk darstellt. Im Gegenteil. Die Theorie ist schnell zu verstehen und die Technik ist mit Training ebenfalls schnell zu verinnerlichen.

Für die Behandlung der Anaphylaxie hier der Auszug aus den SAA und BPR Land NRW:

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Quellen:

Weber TTechniken intramuskulärer Injektion mit geringem Risiko für Nerven- oder Gefäßschädigung. In: Weber T, Hrsg. Memorix Zahnmedizin. 4. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2016. doi:10.1055/b-003-128285 Varia und Grundlagen/Evidence Based Dentistry > Intramuskuläre Injektionen > Techniken intramuskulärer Injektion mit geringem Risiko für Nerven- oder Gefäßschädigung

retten! September 2021; 10: 292-296

Jassoy CDurchführung der Schutzimpfung. In: Jassoy CSchwarzkopf A, Hrsg. Hygiene, Infektiologie, Mikrobiologie. 3., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2018. doi:10.1055/b-006-161635

Veröffentlicht von Patrick

Patrick ist in den Mittdreißigern und lebt in Bochum. Verheiratet, (noch) keine Kinder aber eine süße Hundedame. Jede Menge Liebe und Leidenschaft für CRM/TRM, Rettungsdienst und Notfallmedizin und natürlich hochmotiviert in Sachen Ausbildung.

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