AHA, da war doch was!?

Es ist November 2020. AHA bedeutet in dieser besonderen Zeit Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske tragen. Bis auf wenige Menschen haben das auch alle verstanden.

So weit, so gut!

Aber war da nicht noch was anderes mit diesem AHA ? Genau! AHA steht nämlich, zumindest in der Medizin, für die American Heart Association. Eine Organisation, die bereits in den 1920er Jahre von ein paar Kardiologen gegründet wurde. Ziel dieser Organisation ist die Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen zu verbessern und weiter zu entwickeln. In der präklinischen Notfallmedizin interessiert uns hierbei wohl am meisten die Reanimation. Wenn wir also über Leitlinien der Reanimation sprechen kommen wir an der AHA nicht vorbei.

Und es war wieder soweit. Diese Leitlinien wurden aktualisiert. Da jetzt nicht jeder Lust hat sich viele hundert Seiten durchzulesen haben sich ein paar Kollegen aus der FOAM- Szene die Mühe gemacht das was neu ist zusammen zu fassen. Wir wollen die frohe Kunde natürlich weitergeben und haben nochmals das, für den Rettungsdienst relevante, zusammengefasst. In den Shownotes stehen natürlich die Links und Quellen, inkl. der deutschen Zusammenfassung der AHA. Vielen Dank gehen dabei an die Jungs von Nerdfallmedizin. Die haben bereits wenige Stunden später die erste Zusammenfassung gepostet. Und auch einen großen Dank an die Pin-Up Docs die als erster deutschsprachiger Podcast darüber berichtet haben.

Los geht`s

Erwachsene:

  • Adrenalin so schnell wie möglich bei nicht-schockbaren Rhythmen (Asystolie, PEA) unverändert
  • Weiterhin 30:2 Kompression/Beatmung
  • Lidocain gleichwertig zu Amiodaron
    • Amiodaron 1. Dosis 300mg ➡️ 2. Dosis 150mg
    • Lidocain 1.Dosis 1- 1,5mg /kgKG ➡️ 2. Dosis 0,5- 0,75 mg /kgKG
  • Für die „double sequenz defibrillation“ gibt es keinen Beweis für einen Vorteil
  • I.v. Zugang primär als Zugangsweg, sekundär intraossären Zugang erwägen.
  • Daten konnten zeigen, dass (lipophile) Antiarrhythmika einen geringeren Effekt hatten als sie intraossär verabreicht wurden, statt intravenös
    • Sowohl Amiodaron als auch Lidocain sind im Knochenmark deutlich besser löslich als im Blut.
    • Als Zugangsort für die i.o. Punktion wird meist die Tibia gewählt. Diese liegt weit vom Körperstamm entfernt. So muss das Blut erst über die untere Hohlvene, ohne Funktion der Taschenklappen zum Herzen. Durch die Thoraxkompressionen baut man zu dem hohe venöse Drücke auf und das Medikament kommt daher möglicherweise nicht am Zielort an.

Tipps für die Praxis:

  • Intraossären Zugang am Humeruskopf erwägen (näher am Körperstamm. Durchflussrate ähnlich eines ZVK`s)
  • Nach der Medikamentengabe über den i.o. Zugang an eine Bolusgabe oder Druckinfusion denken, um das Medikament aus dem Markraum „hinaus zu spülen“

  • Ultraschall zum Ein/Ausschluss von reversiblen Ursachen (nicht als Prognose- Tool)
  • Audiovisuelle Feedbacksysteme zur Aufrechterhaltung der Qualität der CPR
AHA ACLS Algorithmus für Erwachsene, Quelle: Circulation. 2020;142(suppl 2):S366–S468. DOI: 10.1161/CIR.0000000000000916 (bzw. deutsche Übersetzung Zusammenfassung Leitlinien für CPR AHA)

Schwangere:

  • Auf linkslaterale Uteruslagerung achten
AHA manuelle linkslaterale Verlagerung des Uterus während Reanimation. Quelle: Circulation. 2020;142(suppl 2):S366–S468. DOI: 10.1161/CIR.0000000000000916

Ursachen für Kreislaufstillstand bei Schwangeren:

  • Blutung
  • Cardiovaskulär
  • Drugs (Medikamente)
  • Embolie
  • Fieber (Sepsis)
  • Generell nicht-schwangerschaftsassoziierte Ursachen (H´s und HITS)
  • Hypertension

Kinder:

  • Weiterhin 3:1 Kompression/Beatmung
  • Beatmungsfrequenz 20-30/Minute (NEU) das sind ca. alle 2-3 Sek. eine Beatmung
  • Auch für Kinder mit Atemstillstand und Puls
  • Ohne erweiterte Atemwegshilfe 15:2 CPR
  • Mit erweiterter Atemwegshilfe kontinuierliche Kompressionen und alle 2-3 Sek. beatmen
  • Beutel-Masken-Beatmung gleichwertig zur Intubation
  • Endotracheale Tuben mit Cuff verwenden (falls Intubation)
  • Adrenalin frühestmöglich bei nicht-schockbaren Rhythmen
  • Erster Schock 2J/kg, zweiter und weitere Schocks 4J/kg
  • Tachykardie-Algorithmus bei Kindern mit vorhandenem Puls überarbeitet: Initiales Prüfen von Puls, Atemweg -> dann Instabilitätskriterien -> dann Unterscheidung breite / schmale Rhythmen und deren Therapie
    • Instabil und Breiter QRS: Strom
    • Instabil und Schmaler QRS: Adenosin (wenn nicht effektiv:) Strom
    • Stabil und Breiter QRS: Adenosin / „Experten“
    • Stabil und Schmaler QRS: Vagale Manöver – Adenosin

Neugeborene:

  • 90/min Herzdruckmassagen
  • 30/min Beatmungen

Beendigung einer Reanimation (präklinisch):

  • Nicht-beobachteter Arrest
  • Keine Laienreanimation
  • Kein ROSC (vor Transportbeginn)
  • Kein Defi-Schock / kein schockbarer Rhythmus (vor Transportbeginn)

Wenn alle Kriterien zu treffen, Beenden der Reanimation erwägen

  • Bei Neugeborenen: wenn nach 20 Minuten keine Reaktion auf Reanimation; Beendigung der Reanimation diskutieren.

Post ROSC Behandlung:

  • Normoxämie (SpO2 92-98%)
  • Normokapnie (PaCo2 35-45mmHg)
  • RR: Systole > 90mmHg, MAP >65mmHg
  • Euglykämie
  • Sofortiges 12-Kanal-EKG -> STEMI/Kardiogener Schock/Mechanische Kreislaufunterstützung: Herzkatheter dringlich

Wenn der Verdacht einer Vergiftung/Überdosierung mit Opioiden besteht wird Naloxon empfohlen.

Sicherlich ist das nur ein kleiner Überblick, aber es fasst gut zusammen was sich (präklinischen) geändert hat. Weiterhin bleiben immer noch die qualitätiven Thoraxkompressionen und die reversiblen Ursachen erwähnt. Bis neue Leitlinien umgesetzt werden dauert es bekanntlich immer ein wenig, aber wir sind weiter gespannt. 

Quellen und Links:

Veröffentlicht von Patrick

Patrick ist in den Mittdreißigern und lebt in Bochum. Verheiratet, (noch) keine Kinder aber eine süße Hundedame. Jede Menge Liebe und Leidenschaft für CRM/TRM, Rettungsdienst und Notfallmedizin und natürlich hochmotiviert in Sachen Ausbildung.

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