Rettungsdienst Kodex

In einer Zeit des Wandels, einer Zeit, in der Rettungsfachpersonal mehr Kompetenzen übernehmen sollen, dürfen und auch müssen, haben wir die Chance, unsere Arbeit und damit unseren Anspruch anzuheben und unsere Profession mitzugestalten.

Es ist an der Zeit, dass wir unseren Wert in der präklinischen Notfallmedizin erkennen. Wir müssen uns vor niemandem verstecken oder uns Klein machen. Der Notfallsanitäter bzw. die Notfallsanitäterinnen darf sich emanzipieren, seinen/ihren Stellenwert in der medizinischen Landschaft finden und sich weiter professionallisieren.

Wir müssen unserer hohen Pflicht und Verantwortung in der Versorgung von Patienten und Patientinnen bewusst sein. Dies bedeutet zwangsläufig, dass wir uns in einer ständigen Entwicklung befinden und uns nie auf Glanz und Gloria vergangener Tage ausruhen dürfen. Was wir gestern wussten, ist morgen vielleicht nichts mehr Wert.

Der eigene Anspruch ist das Fundament einer guten Patientenversorgung.

Ein guter Notfallsanitäter respektive Notfallsanitäterinn zeichnet sich nicht dadurch aus, i.v. Zugänge zu verteilen ,wie Sand am Meer liegt, nur um zu beweisen, dass man ein toller Hecht ist. Da gehört deutlich mehr dazu.

Früher gab es für Ärzte und Ärztinnen den Eid des Hippokrates. Dieser wird heute natürlich nicht mehr geschworen. Allerdings enthält dieser Eid mehrere Elemente, die auch heute noch Bestandteil ärztlicher Ethik sind (Gebot, Kranken nicht zu schaden, Schweigepflicht, etc.). Nicht selten haben christliche Einrichtungen wie Malteser, Johanniter aber auch das Rote Kreuz eine Art Regelwerk, in diesem gewisse Werte beschrieben sind.

So sollte es auch für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Rettungsdienst eine Art Kodex geben. Ein einfaches Regelwerk von Werten und Vorstellungen. Egal ob Rettungshelfer:in, Rettungssanitäter:in, Rettungsassistent:in oder Notfallsanitäter:in.

Wir haben uns daher Gedanken gemacht. Nicht nur wie man ein guter Rettungsdienstmitarbeiter wird, auch wie man es bleibt. Wir sprechen auch garantiert nicht über Leistungsfähigkeit, Bereitschaft zu Überstunden, Nachtschichten oder ähnlichen Anforderungen die Arbeitgeber an uns als Arbeitskraft haben

Natürlich könnte man die nachfolgenden Punkte wahrscheinlich bis in die Unendlichkeit erweitern aber 10 Punkte spiegeln erstmal das Fundament.

  1. Handelt nach einer Art beruflichen Ethos. Habe einen Anspruch an dich selbst und deine Arbeit. Nur so wirst du und das Rettungsfachpersonal ernst genommen und repräsentiert diese Profession. Sei dir deiner Pflicht und deinem Wert bewusst.
  2. Sei empathisch und handle respektvoll. Bewahre dir ein professionelles Auftreten vor deinen Patienten und Patientinnen, Dritten und Kollegen und Kolleginnen. Begegnet euch auf Augenhöhe.
  3. Das Arbeiten im Team ist essenziell. Sei daher ein guter Teamleader oder ordne dich unter und erfülle deine Rolle.
  4. Sei wissbegierig und bilde dich regelmäßig fort. Nutze dabei kostenlose Podcasts, Blogs, Videocasts und Onlinevorträge, sprecht mit euren Arbeitgebern über externe Kursformate. Prüfe aber immer deine Quellen und hinterfrage Angebote.
  5. Wirf immer einen Blick über den Tellerrand. Die Medizin ist im steten Wandel. Was heute aktuell ist, ist morgen schon wieder „Out“. Auch die Standardarbeitsanweisungen und Behandlungspfade im eigenen Wirkungskreis sind nicht in Stein gemeißelt. 
  6. Lerne von erfahrenen Kollegen und Kolleginnen, Notärzten und Notärztinnen und anderen Gesundheitsfachberufen. Entwickle deinen eigenen Stil.
  7. Respektiere und unterstütze andere Berufsgruppen wie z. B. die Pflege, Hebammen, Feuerwehr und Polizei. Unterstütze aber auch deine eigenen Kollegen und Kolleginnen. Biete Hilfe aktiv an.
  8. Übe Kritik, wenn sie angebracht ist und hinterfrage Dinge. Sei dabei sachlich und fachlich und verzichte auf emotionale oder persönliche Angriffe.
  9. Teile deine Leidenschaft, deine Motivation und dein Wissen. Bilde junge Kollegen und Kolleginnen gut aus. Sie haben eine qualitative Ausbildung verdient und sitzen später neben dir auf dem RTW. Sei ein gutes Vorbild.
  10. Übe dich in Selbstreflexion und hinterfrage dich selbst. Niemand ist unfehlbar. Übernehme Verantwortung für dein Tun und triff Entscheidungen. Stehe hinter deinen Entscheidungen und überdenke diese bei Bedarf.

Rettungsdienst Kodex

Der Notfallsanitäter und die Notfallsanitäterinn in ihrer heutiger Form werden nicht das Ende der nicht-ärztlichen Qualifikation sein. Kompetenzen, Wirkungsbereich und die Rettungsdienstliche Landschaft werden sich weiter entwickeln.

Veröffentlicht von Patrick

Patrick ist in den Mittdreißigern und lebt in Bochum. Verheiratet, (noch) keine Kinder aber eine süße Hundedame. Jede Menge Liebe und Leidenschaft für CRM/TRM, Rettungsdienst und Notfallmedizin und natürlich hochmotiviert in Sachen Ausbildung.

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